Die lange Reise der Tomate in unsere Küche

Woher kommt eigentlich unsere geliebte Tomate?
"Aus Italien!" - Das könnte man bei der Leidenschaft der Italiener für "il pomodoro" annehmen, stimmt aber nicht.

Allerdings war es ein gebürtiger Italiener, der um das Jahr 1498 die Tomate zu uns nach Europa brachte: der aus Genua stammende Christoph Kolumbus (1451-1506), der ein paar Jahre zuvor unter spanischer Flagge als wahrscheinlich erster Europäer Lateinamerika erreicht hatte. Die dort ansässigen Völker, z.B. Maya und Azteken, hatten bereits zwischen ca. 200 v.Chr. bis 700 n.Chr. verschiedene Wildformen der Tomate kultiviert. Die Atzteken nannten die Frucht "Xitomatl", was soviel bedeutet wie "Nabel des dicken Wassers". Die Kurzform davon lautete "Tomatl" - zur "Tomate" (so lautet auch die spanische Bezeichnung) war es von da aus nur noch eine Seereise über den Atlantik entfernt.

Nennenswerte Mengen an Tomatenpflanzen wurden dann erstmals zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf den Schiffen des Konquistadoren Hernán Cortés (1485-1547) nach Europa gebracht, nachdem dieser das Aztekenreich mit seiner riesigen Hauptstadt Tenochtitlan im heutigen Mexiko gewaltsam erobert hatte - mit über 100.000 Einwohnern zu jener Zeit eine der größten Städte weltweit.

Eine der ersten systematischen Beschreibungen der Tomate entstammt dem Italiener Petro Andrea Mattioli, der die Tomate 1544 als "Mala aurea", also als "goldenen Apfel", charakterisierte und sie mit der Melrose, einer Kulturapfelsorte, verglich. Zehn Jahre später verfeinerte er seine Beschreibung hinsichtlich verschiedener Varietäten von Tomaten. So erwähnte er neben den gelben Tomatensorten jetzt erstmals auch rote Sorten des "pomo d'oro" (italienisch für "goldener Apfel", deshalb heißt die Tomate heute in Bella Italia auch "pomodoro").

In Europa angekommen, schmückte die Tomate zunächst - als Rarität aus der Neuen Welt - vornehmlich als Zierpflanze die Gärten der Oberschicht. Die einflussreichen Medici interessierten sich zwar bereits für eine kulinarische Verwendung, hatten die Tomate gar in ihr Familienwappen integriert. Jedoch herrschte in der breiten Bevölkerung die Meinung vor, die Tomate sei aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den Nachtschattengewächsen giftig oder zumindest nicht genießbar.

Mit der Weiterentwicklung der Medizin im 17. Jahrhundert änderte sich diese Ansicht jedoch und die Tomate fand Einzug in die italienische Küche. Am Hofe des spanischen Vizekönigs von Neapel nahm der ab 1658 dort tätige Koch Antonio Latini erstmals drei Rezepte mit der Zutat Tomate in ein Kochbuch auf. Die Gerichte bezeichnete er als "alla spagnola", also "nach spanischer Art". Die Gegend um Neapel gilt bis heute als das Zentrum der Tomaten-Küche, was gewiss auch daran liegt, dass das dortige Klima und die vulkanische Erde besonders aromatische Tomaten wie die berühmte San Marzano hervorbringen.

Ab etwa 1700 wurde die Tomate in der italienischen Alltagsküche zunehmend populär und überschritt in der Folgezeit auch die Landesgrenzen. So vermerkte die bekannte Encyclopedia Britannica im späten 18. Jahrhundert bereits den alltäglichen Einsatz von Tomaten in der britischen Küche und im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde sie dann auch im süddeutschen Raum als Zutat für Saucen, Suppen und Salate bekannt. So präsentierte man die Tomate auch auf der Wiener Weltausstellung 1873. Die heutige Omnipräsenz der Tomate in Deutschland stellte sich jedoch erst nach 1945 ein, als in BRD und DDR Gastarbeiter aus insbesondere Italien, Griechenland der Türkei und den Balkanländern ihre Essgewohnheiten mitbrachten und Wirtschaftswunder-Deutschland südwärts über die Alpen reiste und Spaghetti mit Tomatensauce zum festen Bestandteil des Dolce-Vita-Lebensgefühls wurden.

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