Das Berliner Wasser - bärenstark!

Berlin hängt eindeutig das Image einer zu großen, stets lauten und dabei ziemlich dreckigen Hauptstadt an. Natürlich nach wie vor auch arm, aber sexy. Demnach handelt es sich eher nicht um ein Idyll der Kategorie Kurbad, es heißt schließlich auch (noch) nicht Bad Berlin. Wir erwarten hier keine Singvogelvielfalt, die sich in glasklaren Gebirgsbächen erfrischt – eher doch muddy water, von dem wir nicht wirklich wissen, wo es eigentlich herkommt und welche Dinge es auf dem langen Weg zu unserem Wasserhahn in sich aufnimmt.

Je schlimmer die Erwartung, umso befreiender das Gefühl, wenn sie sich als falsch erweist: Das Berliner Wasser ist allererste Sahne, feinste Seide, tausendmal klarer als Kloßbrühe und einfach von bärenstarker Qualität!

Natürlich entspringt es nicht der alpinen Zauberquelle eines schneebedeckten Monte xyz. Aber die Stadt verfügt über große Grundwasservorkommen. Diese entstammen zehntausende Jahre alten Tiefenschichten, die sich während der Eiszeit als Urstromtal gebildet haben. Grundwasser bietet den Vorteil, dass es sich immer wieder neu bildet, wenn z.B. Regen oder Wasser aus Seen und Flüssen darin versickern. Während dieses in immer tiefere Schichten vordringt, wird es auf natürliche Weise gereinigt und mit wichtigen Mineralien angereichert. Um von diesem unterirdischen Schatz auch in ferner Zukunft noch zu profitieren – und zu leben – , wurden um die verschiedenen Brunnen herum Wasserschutzgebiete eingerichtet. Diese erstrecken sich heute immerhin über circa ein Viertel des Stadtgebiets.

Insgesamt verfügt Berlin über etwa 650 Tiefbrunnen mit einer Tiefe von 30 bis zu maximal 140 Metern, die das Grundwasser hin zu den Wasserwerken fördern, wo es dann zu ausgezeichnetem Trinkwasser aufbereitet wird. Und das schmeckt man wohl auch: Im Rahmen der Langzeitstudie zu „Qualität und Image von Trinkwasser in Deutschland (TWIS)“ des Instituts für empirische Sozial- und Kommunikationsforschung e.V. für 2016/17 bewerteten 87,3 % der befragten Berlinerinnen und Berliner die Qualität ihres Leitungswassers als „sehr gut“ oder „gut“. Der Wert lag deutlich über dem Bundesdurchschnitt und die Hauptstadt damit auf Platz 4, nur knapp hinter den Spitzenreitern Bayern und Hamburg mit jeweils 89,0 % sowie Baden-Württemberg mit 88,2 %. Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern lag hinsichtlich der Wahrnehmung der Wasserqualität mit 77,2 % mehr als 10 % hinter unserem Stadtstaat.

Der natürliche Filterprozess des Berliner Wassers führt dazu, dass dieses vergleichsweise mineralstoffreich und „hart“ ist – also ziemlich kalkhaltig. Erstere Tatsache ist ein gutes Argument für die Menschen vor Ort, auf Mineralwasser aus der Flasche zu verzichten und lieber einmal mehr den Wasserhahn aufzudrehen. Der relativ hohe Härtegrad andererseits ist für Mensch und Tier absolut unbedenklich. Nur einen Nachteil bringt er mit sich: In Waschbecken, in Badewannen und auf Armaturen bilden sich hier schneller kalkhaltige Ablagerungen als an anderen Orten. Diese lassen sich jedoch schnell mit essighaltigen Reinigern entfernen. In Wasch- und Kaffeemaschinen hingegen gestaltet sich das Problem etwas komplizierter.

Nichtsdestotrotz: Das Hauptstadtwasser ist von Grund auf sehr bekömmlich und schmeckt offenbar in den meisten Fällen auch. Eine endgültige Garantie für die Qualität dessen, was am Ende aus dem Hahn kommt, können allerdings auch die Berliner Wasserbetriebe trotz strenger Wasserkontrollen nicht geben, da ihr Zuständigkeitsbereich vor unserer jeweiligen Haustür endet. Und auch die Beschaffenheit der Wasserrohre innerhalb eines Hauses beeinflusst die Qualität des Endprodukts. So kann es sich bei nicht renovierten Leitungen älteren Baujahrs, insbesondere vor 1973, um bleihaltige Objekte handeln. Da dies nicht im Sinne unserer Gesundheit ist, bieten unter anderem die Berliner Wasserbetriebe kostengünstige Wassertests an. So kann sich jeder vergewissern, dass das hochwertige Berliner Wasser in seiner vollen, hervorragenden Qualität genossen werden kann.

 

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